Im Jahre 1987 wurde erstmals von dem Kinderchirurgen Dr. Donald Nuss (Norfolk, Virginia) eine neuartige endoskopisch gestützte Trichterbrust-Korrektur -"Minimally Invasive Repair of Pectus Excavatum(MIRPE)"- durchgeführt. Das Verfahren nutzt die Prinzipien der minimal invasiven Chirurgie(Schlüssellochchirurgie). Die Vorteile sind:
Das OP-Verfahren beruht auf einer erhöhten Flexibilität(Verformbarkeit) der vorderen (knorpeligen) Rippenanteile des Thorax. Diese ist nicht wie früher angenommen nur im Kindesalter gegeben, sonders auch noch im Jugend-und frühem Erwachsenenalter ausreichend vorhanden. Die Indikationen zur OP sind die gleichen wie beim offenen, konventionellen Verfahren. Das OP-Alter liegt zwischen dem 4.- 20. Lebensjahr. Es wurden aber auch Patienten jenseits des 40. Lebensjahres erfolgreich mit dieser Methode korrigiert. Als ideal hat sich ein OP-Zeitpunkt nach dem 14. Lebensjahr erwiesen, da die Implantatentfernung in den Zeitraum nach Abschluß des Knochenwachstums fällt. Ein gutes Maß für die Beurteilung der Trichtertiefe ist der Haller-Index. Dabei werden Querdurchmesser des Thorax und die Distanz zwischen tiefster Stelle des Trichter und Wirbelsäule (CT-Bild) ins Verhältnis gesetzt. Eine OP-Indikation für das Nuss-Verfahren besteht ab einem Haller-Index>3,2.
Bei dem MIRPE-Verfahren wird über kleine Hautschnitte der rechten und linken Thoraxwand mit speziell dafür entwickelten Präparations-Instrumenten der Trichter untertunnelt. Dies geschieht unter Schonung des Brustfelles und unter endoskopischer Kamerakontrolle. Dadurch können Verletzungen vermieden werden. Anschließend wird ein spezielles Hebeinstument unter dem Trichter durchgeführt und an der Gegenseite aus dem Brustkorb ausgeleitet. Bei diesem Manöver wird der Tricher gehoben und ausgeglichen.
Mit der Rückführung des Instrumentes wird der vor OP-Beginn ausgemessene und modellierte Metallbügel unter dem Trichter durchgeführt, mit Stabilisatoren versehen und anschließend um 180o gedreht. Danach erfolgt die Fixierung des Bügels und der Querstabilisatoren an den benachbarten Rippen mit resorbierbarem Nahtmaterial. Über die Kameraöffnungen werden dünne Thoraxdrainagen zur Absaugung von Wundflüssigkeit und zur Vermeidung eines Lungenkollaps ausgeleitet.
Wir wenden in unserer Klinik eine Modifikation des Verfahrens nach Schaarschmidt (Helios-Klinik Berlin-Buch) an. Im Gegensatz zum Nuss-Verfahren erfolgt bei dieser Modifikation die Bügelfixation unmittelbar an den Rippen. Dadurch wird die Gefahr der Implantatlockerung deutlich reduziert.
Die Nutzung atraumatischer (verletzungsarmer) chirurgischer Prinzipien (kleine OP-Wunden) in Verbindung mit einem kosmetisch gutem Ergebnis hat vor allem bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu einer hohen Akzeptanz dieses OP- Verfahrens geführt, was sich in einem stetigen Anstieg der OP-Zahlen weltweit widerspiegelt.
weitere Informationen:
Patienten, die sich über die Möglichkeit der Trichterbrustkorrektur informieren möchten, können sich in unserer thoraxchirurgischen Spezialambulanz vorstellen. Sinnvoll ist bei Jugendlichen die Anwesenheit eines Elternteils zur Entscheidungsfindung. Zur Vorstellung bitte alle vorhandenen Befunde (insbesondere Röntgenbilder, CT-Aufnahmen) mitbringen!
Städt. Klinikum St. Georg Leipzig, Klinik für Thorax-und Gefäßchirurgie
Sprechzeiten: Donnerstag 08.00-12.00 Uhr
Tel.: 0341 9092244
Fax.: 0341 9092253
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